Es geht in Hüttenberg um die Wurst

GIESSEN (am). In Gesprächen deutscher Handball-Anhänger spielt der TV Hüttenberg immer noch und immer mal wieder eine Rolle. Die legendären Würste des einstigen Hüttenberger Obmanns „Manz“ Weber beispielsweise sind nicht nur in den Mägen verarbeitet worden, sondern auch in der Erinnerung – zumindest der älteren Semester – hängen geblieben. Daran ändert auch nichts, dass der TVH inzwischen in die Drittklassigkeit abgerutscht ist.
Den Status quo wollen die Hüttenberger allerdings verändern. Mit Trainer Iljo Duketis streben die Mittelhessen zumindest den Aufstieg in die zweite Liga an, wobei der quirlige Kroate auch im zweiten Jahr in erster Linie auf die Karte Jugend setzt. Ob die junge Sieben des TVH in der anstehenden Spielrunde in der Südwest-Gruppe der Regionalliga ganz vorne mitspielen kann, wird von verschiedenen Faktoren abhängen.
Einmal, ob die jungen Akteure die teilweise glänzenden Leistungen der unzähligen Vorbereitungsspiele auch über eine gesamte Saison mit mindestens 26 Pflichtspielen bringen können. Zum anderen, ob Neuzugang Goran Todosic nach seinem Kreuzbandriss rechtzeitig wieder fit wird, um die von Trainer Duketis angestrebte Leitwolf-Rolle zu übernehmen. Und nicht zuletzt hängt es davon ab, ob und wie die Konkurrenz die Hüttenberger gewähren lässt.
Denn auch unter den restlichen 13 Mannschaften sind Teams zu finden, die dem TVH den Führungsanspruch streitig machen können. Dazu zählen wollte sich die TSG Ober-Eschbach. Doch bei den Bad Homburger Vorstädtern fällt Torjäger Markus Rönnau nach einem Kreuzbandriss länger aus und es bleibt abzuwarten, ob die TSG-Verantwortlichen noch adäquaten Ersatz beschaffen können.
Weiter südlich lauern weitere Konkurrenten. In der östlichen Ecke Hessens der TV Gelnhausen, der mit Sergej Budanow einen renommierten Trainer verpflichtete. Ob dieser die seit Jahren bekannte Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der Barbarossastadt bereits in seinem ersten Jahr verringern kann, ist fraglich. Eher schon darf dem Odenwaldklub TSG Groß-Bieberau eine entscheidende Rolle zugetraut werden. Trainer „Kalu“ Gaydoul behielt jedenfalls den Großteil des Kaders zusammen. Spektakuläres tat sich auch südwestlich des Rheins nicht, doch kann von da durchaus eine Mannschaft – etwa die SG Waldfischbach – in das Spitzenfeld stoßen.
Sicher ist jedoch, dass mit dem Saisonstart am Wochenende die Hüttenberger Würste ein Relikt vergangener Zeiten bleiben. Dennoch geht es für den TV Hüttenberg um die Wurst.

Duketis lässt weiter Jugend den Lauf

TV Hüttenberg will in Spitzengruppe dabei sein – 22 Testspiele absolviert – Zum Auftakt am Samstag gegen TSG Münster

HÜTTENBERG (vk). Unter Iljo Duketis hat sich beim TV Hüttenberg etwas bewegt! Der 48-jährige Handball-Lehrer hat mit der jungen Mannschaft des heimischen Regionalligisten eine Vorbereitung absolviert wie wohl keiner der 16 Drittligisten. Und er hat im Umfeld einiges mobil gemacht, neue Sponsoren gebracht, einen TVH-Stammtisch und einen Fan-Club ins Leben gerufen. Mit insgesamt 22 Testspielen plus dem DHB-Pokalspiel beim Liga-Rivalen TV Vallendar wurden die Spieler einer fast profihaften Vorbereitung unterzogen. „Ich wurde nach Hüttenberg als Cheftrainer und Sportlicher Leiter geholt, um mittelfristig den TV in die 2. Bundesliga zu führen“, erklärt Duketis.
Für die Gazetten im saarländischen Raum sind die Hüttenberger der große Top-Favorit schlechthin. Das relativiert der Kroate ein wenig: „Wir gehören sicherlich zum engeren Favoritenkreis“, formuliert er. Zu den Favoriten zählt er wieder die TSG Groß-Bieberau. „Unklar bin ich mir im Falle von Zweitliga-Absteiger HSG Mühlheim/Kärlich/Bassenheim.“ Mit vorne erwartet er auch wieder der TV Gelnhausen. Dagegen traut der Hüttenberger Coach der TSG Ober-Eschbach keine absolute Spitzenrolle mehr zu, zumal Linkshänder Markus Rönnau verletzt ist.
„Erwartungen werden größer“„Wir haben in der Vorbereitung sicher auf einem Niveau gespielt, das zu hoch war. Jetzt kommt der Druck hinzu und die Erwartungen werden größer, das muss erst bewältigt werden“, weiß der Trainer. Glanzlichter waren die Siege über den Bundesligisten HSG Wetzlar (beim Turnier in Großen-Linden) und über Zweitligist Melsungen/Böddiger wie auch über den niederländischen (HC Sittard) und belgischen Meister (HK Tongeren). „Da haben wir sehr gut, ja überragend gespielt“, schwärmt Duketis heute noch. Nur zwei Spiele aus diesem umfangreichen Vorbereitungsprogramm „waren eher miserabel“, sagt Duketis und meint die Begegnungen beim TuSpo Obernburg sowie die Endspielniederlage beim Linden-Cup gegen den VfL Gummersbach.
„In allen anderen Spielen haben wir wirklich über unsere Verhältnisse gespielt“, stellt er die Gesamtleistung der Mannschaft heraus. „Ganz super war auch das Trainingslager“, erinnert er daran, dass man nach „sieben Stunden Training nach Landwehrhagen gefahren ist und in einer starken zweiten Halbzeit das Spiel noch gewonnen hat“.
Für das mittelfristige Ziel des Vereins, den TV Hüttenberg wieder in die 2. Liga zurückzuführen, ist Iljo Duketis den Weg über die Jugend gegangen. „Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, war für mich klar, dass wir dies nur mit der Jugend erreichen können.“ So wurden auch für diese Saison neben dem noch nicht wiederhergestellten Routinier Goran Todosic (nach Kreuzbandriss) mit Andreas Scholz, Michael Bepler und dem noch an einem Fingerbruch laborierenden Christian Stelzenbach wieder drei junge Spieler in die Mannschaft geholt. Im erweiterten Kader stehen zudem die Talente Torhüter Michael Kuhl, Benjamin Hundt, Florian Laudt, Christian Keil und Tim Spengler.
Knapp wurde in der vergangenen Runde das Saisonziel (Platz drei) mit dem vierten Rang verfehlt. „Dennoch hat die Mannschaft einen großen Schritt nach vorne gemacht“, sagt Duketis. Dabei wurden letztlich sage und schreibe 27 (!) Spieler in der vergangenen Saison eingesetzt.
Auch in der neuen Runde will der TV Hüttenberg attraktiven Handball bieten und mit 3:2:1- beziehungsweise 4:2-Abwehrvarianten mit „Pressing“ begeistern. Abstellen muss die Mannschaft die zuweilen miserable Chancenverwertung. Hüttenberg hatte in der Vorsaison nur den zehnbesten Angriff der Liga.
Chancen besser nutzen„Das ist eindeutig zu wenig“, sagt Trainer Duketis, der dies gleich im ersten Heimspiel am Samstag um 20 Uhr in der Hüttenberger Sporthalle gegen die TSG Münster verbessern will. Der Vorjahres-Aufsteiger aus dem Kelkheimer Stadtteil hat mit Alexander Adamiski einen neuen Trainer verpflichtet, der auch schon die A-Jugend des TVH coachte. Mit dem baumlangen Pero Sipic und Bodo Mantel im Rückraum sowie den gefährlichen Holger Zindt am Kreis sind die Gäste ein nicht zu unterschätzender Auftaktgegner.

Berichte aus dem Gießener Anzeiger