Heiße Derby-Stimmung pur!

Wie im Hinspiel teilten sich die HGS und der TBS die Punkte

Ein Handball-Derby der Extraklasse. Ein Medienaufgebot der Sonderklasse. Und ein sensationelles Tor. In Saarlouis schlug am Freitagabend das saarländische Handballherz ganz laut.

von Franz Habel

HG Saarlouis - TBS Saarbrücken 24:24 (11:11). In Saarlouis tobte die Halle. Das Spiel war unterbrochen. Noch sieben Sekunden Spielzeit signalisierten die Schiedsrichter. HG-Trainer Berthold Kreuser holte Sven Ehrich aus dem Tor. Ein siebter Feldspieler sollte aufs Feld. Die letzte Chance zu einem Punktgewinn sollte genutzt werden. Erinnerungen wurden wach: An den Ex-Niederwürzbacher Staffan Olson, der bei der Europameisterschaft Sekunden vor dem Schlusspfiff in gleicher Situation den Ausgleich für Schweden gegen Deutschland  erzielte. Was war geschehen? Saarbrücken führte im Saarderby in der Stadtgartenhalle vor 800 begeisterten Zuschauern mit 24:23. Rießengroßes Glück für Saarlouis. Unmittelbar zuvor knallte nämlich Manuel Schmidt einen Siebenmeter an den linken Torpfosten. Das wäre die endgültige Entscheidung gewesen. Darauf hatte Berthold Kreuser gehofft. Schon vor dem 7 Meter hatte er die Grüne Karte zur Auszeit gezückt. Balke stand am Anwurfpunkt. Sieben gegen sechs. Anpfiff. Balke sieht Jörg Waerder lablinks frei. Sein Pass ist millimetergenau. Bei Waerder liefen Fangen, Ausholen und Werfen wie im Film ab. Als der Ball seine Hand verließ, schien die Zeit still zu stehen. Doch dann wurde die Halle zum Tollhaus. Der Ball fand die winzige Lücke zwischen Torwart Benjamin Bus und dem Pfosten. Ausgleich. "Waaaaerdeeeeer, Waaaeeerder!!"-Gesänge setzten ein. Ein spannendes Spiel fand seinen krönenden Abschluss. Eine Spielertraube erdrückte Jörg Waerder. Die einstimmige Meinung in der Halle: Ein gerechtes Ergebnis.

Jörg Waerder, Trainer Berthold Kreuser ruft ihn auch "Burns", nach seinem spektakulären Wurf gefragt, lächelt nur: "Ich wollte den Ball. Plötzlich stand ich frei und hatte ihn. Mein Abwehrspieler war weit genug weg. Links ist meine Zuckerseite und deshalb habe ich ganz gerade  in die kurze Ecke gezielt. Ich habe dabei an gar nichts gedacht. Erst als der Jubel losging, habe ich wahrgenommen, dass er wirklich drin war." Seit diesem Spiel hat Jörg Waerder seinen Ruf, zumindest in Saarbrücken weg: Der Spieler für die kuriosen Tore mit dem achtfach knickbaren Arm.

Zum Spiel: Saarlouis ging schnell mit 3:0 in Führung (6.). Der TBS brauchte fast 17 Minuten, bis sich ein Spielfluss einstellte. 7:4 nach 16. Minuten. Doch dann schafften Marco Recktenwald und Roman Petchourine den Ausgleich. Dirk Eberhard zeigte wie sein Gegenüber Sven Ehrich ein herausragendes Spiel. In der 2. Halbzeit konnte sich der TBS auf 13:11 absetzen, aber Saarlouis kämpfte, ging selbst wieder 14:13 in Führung. Beim 16:18 und 17:19 zauberte Heiko Schmidt auf Außen mit einem Heber und einem Dreher. Saarlouis schaffte aber wieder den Anschluss durch Christoph Lay zum 17:18 und Peter Balke zum 18:19. Nach dem Ausgleich zum 19:19 bekamen Lay und Waerder eine Zeitstrafe. Die "Bank" hatte gemeckert. Die Unterzahl Vier gegen Sechs überstand Saarlouis mit nur 2 Gegentoren. Dörr und Harth schafften erneut den Ausgleich zum 21:21 (51.). Thomas Schmeer und Roman Petchourine brachten den TBS wieder mit 23:21 (53.) in Führung. Zwei Siebenmeter, sicher verwandelt von Andreas Dörr, brachten erneut den Ausgleich. 23:23 (54.) Die Spannung war kaum zu überbieten. Dramatische Torszenen auf beiden Seiten. Freiwurf folgte auf Freiwurf. TBS-Trainer Frank Künzer nahm eine Auszeit: Aber es wollte einfach kein Tor fallen - ganze fünf Minuten lang. In der 57. Minute traf Heiko Schmidt schließlich zum 24:23 für den TB St. Johann.

Die HG Saarlouis kämpfte, drängte. Andreas Dörr traf mit einem Knaller den rechten Pfosten. Jörg Waerder scheiterte an TBS-Torwart Benjamin Bus. Mehrere Freiwürfe folgten für Saarlouis. Noch eine Minute. Balke stieg hoch und warf. Der Ball zischte rechts am Tor vorbei. Saarbrücken stürmte sofort nach vorne, wollte alles klar machen. Thomas Rolli kam zum Wurf. Sven Ehrich hielt. Der Jubel erstickte aber sofort. Die Schiedsrichter zeigten auf den Siebenmeterpunkt. Rolli war gefoult worden. Wir erinnern uns. Manuel Schmidt knallte den Strafwurf an den Pfosten. Den Rest kennen wir.

Trainerstimmen: Berthold Kreuser, HG Saarlouis: "Die Verletzungssorgen vor dem Spiel waren schon schlimm. Dirk Mathis und Daniel Altmeyer waren schließlich nicht einsatzfähig. Zum Glück war Andreas Dörr wieder fit und Michael Harth hielt durch. Jörg Waerder konnte die ganze Woche nicht trainieren. Meine Spieler kämpften aber alle. Es war der heiße Tanz, den ich erwartet hatte. Die Manndeckung gegen Petchourine und später  auch gegen Recktenwald funktionierte gut. Die Punkte waren schon weg, aber mit dem letzten Wurf von Jörg Waerder wurde unser großartiger Kampf belohnt."

Frank Künzer, TBS Saarbrücken: "Ich war mit unserer Leistung wirklich nicht zufrieden. Die ersten 15 Minuten haben wir glatt verschlafen, bis zum 4:7. In der Schlussphase, nach der 23:21 Führung, hätten wir uns absetzen müssen. Uns hat die Cleverness, aber auch die Power gefehlt, um das Spiel noch zu gewinnen."

Einzelkritik - von Franz Habel

HG Saarlouis:

Sven Ehrich: Wieder der ruhende Pol mit überdurchschnittlicher Leistung. Fast Fehlerfrei. Entschärfte wieder einige Hundertprozentige. Note: 1,0

Darius Jonczyk: Einsatz nur bei 2 Strafwürfen. Note: -:-

Michael Harth: Hatte TBS-Torjäger Roman Petchourine gut unter Kontrolle. Note: 1,0/1,5

Christoph Lay: Zeigte viel Laufarbeit in der Abwehr. Intelligente Anspiele und tolle Pässe im Aufbau. Note: 2,0/1,5

Peter Balke: Konnte Stemmler ausschalten. Zeigte insgesamt aber eine zu große Härte in Abwehr. Seine Würfe waren nicht immer sinnvoll, versuchte aber Verantwortung zu übernehmen. Note: 2,0/2,5

Jörg Waerder: Hatte den flinken Heiko Schmidt im Griff. Letztes Tor genial. Note: 1,5/2,0

Oliver Koch: Organisierte die Abwehr hervorragend, war überall. Riss vorne viele Löcher. Note: 1,5/2,0

Andreas Dörr: Endlich passt wieder alles. Viel Druck, gute Würfe. Er sucht wieder den Zweikampf. Erzielte ganz wichtige Tore und Strafwürfe. Wichtigster Spieler neben Harth und Ehrich. Note: 1,5/1,0

Christoph Feldmann: Wenig Fehler. Gutes Angriffsspiel. 3,0/3,0

Marco Eglseder: kein Einsatz

TBS Saarbrücken:

Dirk Eberhard: Zeigte eine tolle Leistung über 50 Minuten. Note: 1,5

Benjamin Bus: Zehn tolle Minuten im Tor. Schon mehr als Ersatz für Eberhard. Note: 1,5

Jan Weise: Ein schönes Anspiel ist zu wenig. Note: 3,0/3,5

Tobias Stemmler: Unauffällig. Blieb in Abwehr zu oft hängen, dazu Wurfpech. Note: 3,0/4,0

Thomas Rolli: Agierte in der Abwehr unauffällig. Setzte vorne wenig Akzente. Note: 2,0/3,0

Manuel Schmidt: Zeigte auf seiner Abwehrposition eine Klasse Leistung. Super Gegenstöße, ständig in Bewegung, immer frei. Note: 1,5/1,5

Heiko Schmidt: Bester TBS-Spieler. Schnell, immer gefährlich. Zeigte sehenswerte Würfe. Note: 1,5/1,0

Roman Petchourine: War durch Manndeckung ausgeschaltet. Trotzdem stets gefährlich. Note: 3,5/2,0

Klaus-Peter Weinert: Es war nicht sein Spiel. Zu viele Schrittfehler, mäßige Würfe und wenig gute Anspiele. Note: 2,0/3,5

Tommy Schmeer: Vorne mutig, suchte den Erfolg, aber nur wenig gute Aktionen. Note: 3,0/2,5

Marco Recktenwald: Starke Würfe. Übernahm Verantwortung, machte Druck, zeigte aber zu wenig Laufspiel. Note: 2,5/1,5

aus dem Saar-Amateur