HG Saarlouis beißt sich durch

von sz-redakteur kai klankert

Dank eines Kraftakts in den letzten zehn Minuten hat Saarlouis das Derby in der Handball-Regionalliga gegen den TBS Saarbrücken mit 27:19 gewonnen - vor 1500 begeisterten Zuschauern.

Saarlouis. Es ist eine Szene mit Symbolcharakter im Saarderby der Handball-Regionalliga zwischen der HG Saarlouis und dem TBS Saarbrücken. Die 49. Minute: Mit aller Macht stürmt die HG Saarlouis an. Siebenmeter. Frank Zeimet im Tor des TBS erwartet den Wurf von Martin Rokay regungslos, dann fährt er seine Gliedmaßen blitzschnell aus, hält bereits den dritten Strafwurf in diesem Spiel. Ein langer Pass nach vorne, Claude Dolic - an diesem Tag ungewohnt blass - fängt, legt ab auf Michael Lehnert. Der aber ist in Gedanken schon in der Rückwärtsbewegung, rechnet nicht mehr mit dem Ball, der verlassen auf dem Boden kullert.

Zu diesem Zeitpunkt ist der TBS dicht dran (18:20), gedanklich aber nicht mehr auf der Höhe. Zwar gelingt Kapitän Michael Zeimet Sekunden später nach einem tollen Spielzug das 19:20, die letzten zehn Minuten erlebt der TBS jedoch wie in Trance. "Wir hatten absolut nichts hinzuzusetzen", sagt Frank Zeimet später und schüttelt den Kopf. Überragend, absolut überragend hatte er gehalten. Unmögliche aus den Ecken gefischt, die HG Saarlouis beinahe zur Verzweiflung gebracht. Geholfen hat es nicht. "Das ist bitter. Wir waren wieder so dicht dran", seufzt Zeimet. Auch nach dem ersten Rückrunden-Spieltag ist der TBS Saarbrücken noch ohne Sieg. Der Abstieg in die RPS-Liga wird nach der 19:27-Pleite in Saarlouis kaum zu verhindern sein.

Warum das so ist, zeigt das Saarderby in der mit 1500 Zuschauern rappelvollen Stadtgartenhalle schonungslos. Während die HG Saarlouis die Aufstellung zwischen Angriff und Abwehr munter rotiert, sich so selbst entlastet, powert die Startformation des TBS fast ohne Pause durch. Zusätzlich gebeutelt von einer Grippe, die das Team im Griff hat. Heiko Schmidt etwa steht mit Fieber auf dem Feld. Der Rechtsaußen erzielt das erste Tor des Spiels in der dritten Minute, danach geht bei ihm nichts mehr. "Es ist keine Entlastung da, ich musste mich sogar fit spritzen lassen", zuckt Schmidt mit den Achseln.

Und als dem TBS die Kraft langsam auszugehen scheint, die Unkonzentriertheiten zunehmen, wie bei Michael Lehnert in der 49. Minute, unterläuft Spielertrainer Roman Petchourine zudem ein folgenschwerer Fauxpas, der Knackpunkt der Partie. Nach einer Zwei-Minuten-Strafe verpasst Petchourine dem Schiedsrichter-Duo ein paar unfreundliche Worte. Die Folge: Eine zweite Zeitstrafe, Rote Karte. Vier Minuten Unterzahl. Die HG Saarlouis enteilt, überrennt den TBS, der kein Tor mehr wirft. Und Frank Zeimet im Tor des TBS schimpft, schreit den Frust heraus und lässt dann resigniert den Kopf hängen, während die begeisterten Zuschauer auf den Rängen ihre HG Saarlouis bejubeln.

In den Schlussminuten spielt sich Saarlouis in den in der Regionalliga so gefürchteten Rausch. Die Stadtgartenhalle tobt. Philipp Kessler trifft zwei Mal per Kempa-Trick nach Anspiel von Daniel Altmeyer, insgesamt zehn Tore erzielt der Linksaußen - und lobt nach seiner Glanzleistung ganz artig die Arbeit des neuen HGS-Trainers Richard Jungmann: "Wir haben unheimlich an Kondition gewonnen, seit wir mehr trainieren. Das hat man heute gesehen, gerade in der Schlussphase haben wir noch mal richtig zugelegt." Der entscheidende Unterschied zwischen HG Saarlouis und dem TBS Saarbrücken.

auf einen blick

HG Saarlouis - TBS Saarbrücken 27:19 (12:12).

HG Saarlouis: Darius Jonczyk, Dirk Eberhard; Daniel Altmeyer 5/1, Martin Rokay 3/3, Tobias Stemmler 2/2, Philipp Kessler 10, Hubert Bienievicz 2, Dennis Koppenburg 4, Peter Balke, Andreas Altmeyer, Lubos Sak, Martin Szulc 1.

TBS Saarbrücken: Frank Zeimet, Oliver Montag; Heiko Schmidt 1, Martial Betker 5, Claude Dolic, Andreas Dörr 5/2, Christian Mühler, Thomas Dell, Ivan Lavrov, Michael Lehnert 1, Michael Zeimet 6/3, Roman Petchourine 1, Christoph Wagner.

Zuschauer: 1500. - Zeitstrafen: 11 / 11.

Rote Karten: Koppenburg (drei Zeitstrafen), Petchourine.

Spielverlauf: 0:1 (3.), 3:3 (6.), 6:6 (13.), 11:7 (18.), 12:8 (21.), 12:12 (Halbzeit), 15:12 (36.), 19:14 (42.), 19:18 (47.), 20:19 (49.), 27:19 (Endstand). kai

aus der SZ vom 30.01.06

 

 

 

 

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