TBS Saarbrücken

Handballabteilung

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Auftritt in der eigenen Zukunft

Apr-7-2010 By Frank

Einzig das sportliche Bild dämpft die Zufriedenheit

Handball-Verband zieht positives Fazit nach Finalturnier um den Saarlandpokal – Deutliche Favoritensiege in den Endspielen Handball-Saarlandpokal: TBS Saarbrücken baut auf Lern-Effekte aus dem Halbfinale – 12:23 gegen Oberthal

Auch wenn es eine kleine Hoffnung auf die Sensation gab, war die Enttäuschung nach dem Halbfinal-Aus im Handball-Saarlandpokal gegen Oberthal kaum spürbar beim TBS Saarbrücken. Die Zeit der Mannschaft soll erst noch kommen. Die Halle passte, und die Zuschauerzahlen stimmten bei der Final-Runde des Saarlandpokals in Völklingen. Einzig die sportliche Zwei-Klassen-Gesellschaft ohne Außenseiterchancen trübte den Eindruck.

Von SZ-Mitarbeiter

Janek Böffel

Saarbrücken/Völklingen. Es läge nur allzu nahe beim Blick auf die Mannschaftsaufstellung des TBS Saarbrücken, Bilder wie „Küken“ oder „Nesthäkchen“ zu verwenden. Doch wer den Handball-A-Ligisten in der Liga spielen sieht, wer sieht, wie sehr die Mannschaft die Gegner dominiert, der denkt eher an den berühmten Hecht im Karpfenteich. Und genau das ist das Problem des TBS. Noch spielt die Mannschaft sozusagen in der eigenen Vergangenheit, zu stark für die eigene Liga, der Aufstieg nur noch Formsache, aber verdammt zum Warten darauf. Die Verantwortlichen um Trainer Dieter Wacker wollen nach ganz oben in den nächsten fünf Jahren – und dazu gehört auch Geduld. Die Mannschaft ist im Schnitt unter 18 Jahren und soll konstant aufgebaut werden, um dann mindestens in der Oberliga zu spielen

TBS-Spielerin Christina Sauer (Zweite von links) setzt sich in dieser Szene des Halbfinales gegen Oberthal sehenswert durch. Trotzdem verlor der TBS mit 12:23. Fotos: Ruppenthal

Insofern war es irgendwie fast ein kurzes Gastspiel in der eigenen Zukunft, als der TBS im Rahmen der Bank 1 Saar Trophy am Montag im Halbfinale des Saarlandpokals auf den Oberligisten FSG Oberthal-Hirstein traf. 12:23 unterlag die Zukunft der Gegenwart am Ende recht deutlich. „Natürlich hatten wir uns schon eine kleine Chance ausgerechnet, Oberthal vielleicht etwas länger zu ärgern“, sagte Trainer Dieter Wacker im Anschluss. Doch die tatsächliche Enttäuschung bei Wacker war sehr überschaubar: „Das war eine klasse Trainingseinheit für meine Mannschaft, um das Niveau solcher Mannschaften kennen zu lernen.“

Schließlich ging es auch darum, dass der TBS die Grenzen erfährt, die ihm in der Liga kaum und viel zu selten aufgezeigt werden. „In der A-Klasse reicht es ja eigentlich schon, werfen und fangen zu können. Hier wird dann schon mit einer anderen Aggressivität gespielt“, sagt Rückraumspielerin Muriel Kollmannsperger, mit 19 eine der Ältesten in der Mannschaft.

Zehn Minuten konnte sich der TBS im Halbfinale dieser Aggressivität widersetzen, ehe Oberthal die Kräfteverhältnisse zurecht rückte und die Hoffnungen auf die ganz große Überraschung zunichte machte. „Es war aber trotz der Niederlage wichtig zu merken, dass wir keine Angst haben müssen, wenn sich der Gegner aufbaut. Dass man auch mal in den Gegner gehen kann, ohne dass etwas passiert“, sagt Christina Sauer (16), die auf Rechtsaußen ein starkes Spiel machte.

Und überhaupt war der eigentliche Erfolg für den TBS schon das Erreichen des Halbfinales, findet Kollmannsperger: „Und das hat Spaß gemacht.“ Wacker sieht das ähnlich: „Die Mannschaft ist jung und kann von solchen Spielen nur profitieren. Wir werden unser schnelles Spiel weiter verbessern. Und wenn dann die Körperlichkeit noch dazu kommt, sieht es gut aus.“

Noch ist es eben nur eine Voraus-Schau für den TBS Saarbrücken, wenn es gegen einen Oberligisten geht. In einigen Jahren soll es aber Alltag sein. „Nach dem Aufstieg wird es aber schon nächste Saison schwieriger“, sagt Kollmannsperger. Und das hört sich eigentlich eher nach Hoffnung als nach Befürchtung an.

Die Spielerinnen des TBS Saarbrücken klatschen sich gegenseitig ab. Und obwohl sie im Pokal-Halbfinale zusammenhielten, verloren sie gegen die höherklassige FSG Oberthal-Hirstein deutlich.

Völklingen. Es war zum Zufriedensein. Die Halle hatte sich noch nicht geleert, der Großteil der Zuschauer stand immer noch auf den Rängen, um auf die Siegerehrung zu warten. Und selbst Dietmar Keller, der Geschäftsführer des Handballverbandes Saar (HVS), der zum Fazit eigentlich auf seinen Präsidenten Jürgen Fried (Foto: SZ) verweisen wollte, kam nicht umhin, ein positives Fazit zu ziehen: „Ich denke, dass es sehr gut gelaufen ist. Wir hatten über den Tag verteilt mehr als 1000 Zuschauer. Die Hermann-Neuberger-Halle hat gepasst, wir können zufrieden sein.“

Womit Keller dann auch sehr konform mit seinem Präsidenten lag, der ebenso sagte: „Selbstverständlich sind wir zufrieden. Man merkt, dass Handball zieht.“ Und auch wenn er als Präsident so etwas sagen muss, hatte er im Organisatorischen Recht. Der Umzug nach zwei Jahren in Merzig in die Völklinger Hermann-Neuberger-Halle ist gelungen, die Zuschauerzahlen sind gestiegen.

Sorgen bereitet im Moment ohnehin das rein Sportliche, wie teilweise sogar beim Pokalfinale zu spüren war. Dem Zweitligisten HG Saarlouis, der automatisch für den DHB-Pokal qualifiziert ist und am Saarlandpokal nicht teilnimmt, zum Trotz, sieht es um den Saar-Handball nicht gerade rosig aus. Mit der DJK Marpingen bei den Damen sowie der VTZ Saarpfalz und den HF Untere Saar bei den Herren stehen gleich drei Regionalligisten vor dem Abstieg in die Oberliga.

Und so waren es dann die mitunter zu klaren Favoritensiege, die das Bild etwas trübten. Das wollte zwar niemand offiziell sagen, war aber offensichtlich. Wenn die Außenseiterchance, die ja auch oder gerade den Reiz eines Pokals ausmacht, vor allem bei den Frauen, wo der TuS Neunkirchen souverän gewann, gegen null tendiert, geht zwangsläufig Spannung verloren. Immerhin trafen sich im Herren-Finale mit den HF Untere Saar und dem VTZ Saarpfalz (30:22) zwei Regionalligisten auf Augenhöhe.

„Aber das ist immer auch eine Frage des Geldes und der Sponsoring-Struktur“, erklärte HVS-Präsident Fried: „Dass wir genug Interessierte haben, ist ja zu sehen.“ Und dass die Hoffnung auf Außenseiter-Siege nicht ganz frei von Berechtigung ist, hatte sich ja schon in der Vorrunde gezeigt, als der Oberligist HSV Merzig-Hilbringen gegen den Noch-Regionalligisten Marpingen gewonnen hatte. Immerhin. jbö

„Natürlich hatten wir uns eine kleine Chance ausgerechnet, Oberthal etwas länger zu ärgern.“

Dieter Wacker,

Trainer der Handballerinnen des TBS Saarbrücken

Handball

Bank 1 Saar-Handball-Trophy in Völklingen:

Frauen-Halbfinale:

Merzig-Hilbringen - TuS Neunkirchen 12:20

TBS Saarbrücken - FSG Oberthal-H. 12:23

Frauen-Finale:

TuS Neunkirchen - FSG Oberthal-Hirstein 25:13

Männer-Halbfinale:

HF Untere Saar - HG Saarlouis II 34:26

VTZ Saarpfalz - HSG Völklingen 25:19

Finale:

HF Untere Saar - VTZ Saarpfalz 30:22

aus der  SZ vom 7. April 2010